Wer über Zufriedenheit nachdenkt, kommt nicht umhin, über Bedürftigkeit zu reden. Das unterscheidet zwischen wahren und falschen Bedürfnissen und gewichtet unterschiedliche kulturelle Erfahrungen. So zeigt die Autorin, warum der Mensch »vom Brot allein« nicht satt wird.
Adam Smith, oft als »Vater der Ökonomie« bezeichnet, ging davon aus, dass der Mensch ein unersättliches Wesen ist. Seine Bedürfnisse, so Smith, seien unendlich, und daher sei es unmöglich, diese zu stillen. Wenn wir uns heute in der Welt umsehen, dann scheint seine Hypothese sich zu bewahrheiten. Wir in der modernen Welt verfügen über mehr Dinge, Annehmlichkeiten und Konsumangebote als je eine Generation vor uns. Aber hat uns all das zufriedener gemacht? Ist es nicht eher so, dass sich unter dem Überangebot längst ein Unwohlsein eingenistet hat, das kein noch so müheloser Konsum gänzlich überdecken kann? Und ist dieses Unwohlsein wirklich allein darauf zurückzuführen, dass sich die verheerenden Auswirkungen unseres Hyper-Konsumismus kaum mehr ausblenden lassen – der drohende Kollaps der Ökosysteme, das Massensterben unzähliger Tier- und Pflanzenarten, das Elend von Milliarden Menschen, die vom angeblichen Segen des materiellen Überflusses immer noch ausgeschlossen sind? Oder könnte sich darunter noch eine zweite, viel tragischere Wahrheit verbergen? Könnte es sein, dasswir nur deshalb unersättlich zu sein scheinen, weil unsere eigentlichen Bedürfnisse in unserer jetzigen Lebensweise viel zu kurz kommen und all die vielen Dinge lediglich ein Versuch sind, dies zu kompensieren?





